Geschichte

Franz Schlich (Teil I)

Gernot Mittler (Teil II)

 

Das „Pappelstadion“ von Obermendig und sein nachhaltiger Nutzen

 

 

Die Anfänge des Handballsports in Obermendig gehen auf das Jahr 1924 zurück. In beiden damals ortsansässigen Vereinen, Jahn und Tusgo, in denen bislang seit ihrer Gründung 1907 bzw. 1911 geturnt wurde, fand der Handball zunehmend Interesse und Freunde, und man spielte zunächst in einer Mannschaft, die sich aus beiden Vereinen rekrutierte.

 

 

Teil I

 

Die ersten Spiele wurden in Ermangelung einer eigenen Spielstätte auf dem Sportplatz an der WÖLKER-Brauerei in Niedermendig ausgetragen, trainiert wurde auf dem Grubenfeld ‚Hirschbrunns Lay“ am Aktienweg oder auf dem Gelände der heutigen Oststraße. Eine Wende in dieser misslichen Situation ergab sich dann im Jahr 1927: Der damalige Pfarrer Johannes Becker kaufte zum Zwecke einer späteren Erweiterung des Marienstifts das benachbarte Grundstück an der heutigen Schulstraße, ließ es zu einem Sportplatz herrichten und stellte diesen den drei Sporttreibenden Vereinen Jahn, Tusgo und DJK zur Verfügung. Für jede Benutzung musste jeweils eine schriftliche Genehmigung der Kirchengemeinde eingeholt werden.

 

Doch die Freude über diese erste richtige Spielstätte währte nicht lange. Die Bewohner des „Klösterchens“ fühlten sich durch den Sportbetrieb an Sonn- und Feiertagen, insbesondere während der Gottesdienste, in ihrer Ruhe und Andacht gestört. Die Folge: Die sportliche Nutzung wurde bereits Ende 1929 seitens der Kirchengemeinde aufgehoben, das Grundstück umgepflügt und fortan von den Schwestern des „Klösterchens“ landwirtschaftlich genutzt.

Dazu eine kleine Anekdote:

 

Kein Landwirt aus Obermendig oder der näheren Umgebung fand sich bereit, das Umpflügen vorzunehmen. Ein Unternehmen aus dem fernen Siegburg schließlich hat es dann durchgeführt. Auch ist überliefert, dass erboste Sportler nachts mehrmals die Maschendrahtumzäunung der nun landwirtschaftlich genutzten Fläche niedergerissen haben sollen.

Die Handballer standen also wieder ohne eine ordentliche Übungs- und Spielstätte da. Die Familie Friedrich und Therese Breil, Oberstraße, stellten der DJK ein Ackergrundstück am „Zilzener Kreuzchen“. (an dem Fußweg in Richtung Maria Laach), zur Verfügung, die beiden Vereine Jahn und Tusgo behalfen sich auf notdürftig hergerichteten Feldern und Wiesen, z.B. an „Hirschbrunns Lay“ (wie gehabt) und an einem ehem. Waldgrundstück „In Thärl“.

 

Die beiden Vereine schlossen sich am 2. August 1930 zum „TuS Grün-Weiß Obermendig e.V.“ zusammen. Dies war der erste wichtige Schritt zur festen Etablierung des Handballsports. Nun musste ‚nur“ noch die Sportplatzfrage geklärt werden, und das dauerte noch ein Jahr. In meinem Schwiegervater, dem Bäckermeister, Landwirt und Heimatdichter Florin Klöppel, („Lenese Florin“ genannt), der ein Förderer des Sportgedankens und der Sportjugend war, fand der neue Vorstand einen aufgeschlossenen und hilfsbereiten Bürger für das Anliegen, das ihm gehörende Gelände nördlich der Pellenzstraße (gegenüber dem heutigen Baugebiet „Im Brühl“) dem Sportverein für Zwecke der Anlegung eines Sportplatzes nebst Zuwegung zu verkaufen. Man wurde bald handelseinig, und am 31. Juli 1931 wurde bei dem Mayener Notar Dr. Schotten der Kaufvertrag abgeschlossen.

Der Kaufpreis wurde auf 3.724,64 Reichsmark festgesetzt. Die Zahlungsbedingungen: 1.000,00 Mark sofort, der Rest in fünf gleichen Jahresraten zuzüglich der jeweiligen Zinsen.

 

Sogleich ging man mit viel Enthusiasmus ans Werk, und in Selbsthilfe schufen sich die Vereinsmitglieder Spielfeld. Mit Pickeln, Schaufeln und Pferdefuhrwerken wurden die Erdmassen bewegt, viele tausend Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet, und am Ende war man stolz auf das gelungene Werk.

Damit war der Grundstein gelegt für ein Aufblühen des Handballsports in Obermendig, das mit der Gaumeisterschaft 1936 und den damit verbundenen Spielen um die Deutsche Meisterschaft einen ersten Höhepunkt hatte.

 

Doch die wirtschaftliche Lage des Vereins war und blieb während der 30er-Jahre prekär. Die spärlichen Einnahmen deckten gerade einmal die Kosten des laufenden Spielbetriebs, so dass die Zahlungsverpflichtungen aus dem Grundstückskauf nicht erfüllt werden konnten. Die verbliebene Restschuld wurde dann 1948, zwei Wochen vor der erwarteten Währungsreform, an meinen Schwiegervater zurückgezahlt. Dies war zwar nur noch 1/10 des realen Wertes, doch die Option der Zwangsversteigerung, die ihm nach dem Kaufvertrag für den Fall des Zahlungsverzugs zugestanden hatte, hat er nie erwogen, und auch die persönliche Bürgschaft, die der Vereinswirt Josef Zentner (der ebenfalls ein großzügiger Förderer der Sportjugend war), für den Restkaufpreis übernommen hatte, wurde nicht in Anspruch genommen. Mit dem 2. Weltkrieg fand der Sportbetrieb ein jähes Ende.

 

Der mörderische Krieg hinterließ auch in unserem Verein eine tiefe Spur, denn 18 Handballkameraden und Vereinsmitglieder kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Zur Erinnerung an sie haben mein Mannschaftskamerad Roman Rüber und ich am Südrand des Spielfeldes 18 Pappeln gepflanzt; mein Schwiegervater hatte diese Aktion angeregt und bezahlt.

Alsbald nach dem Krieg wurde das Handballspiel wieder aufgenommen und in den 50er-Jahren zu seiner großen Blüte geführt. Der mehrmalige Gewinn der Rheinlandmeisterschaft und die Teilnahme an der Westdeutschen und der Deutschen Handballmeisterschaft waren schließlich Höhepunkte in unserem Vereinsleben. Kurz: Es waren glanzvolle Jahre, und der Name „Grün-Weiß Obermendig“ hatte im bundesweiten Sport einen guten Klang.

 

Allerdings hatte der sportliche Erfolg auch eine Kehrseite: Unser Sportplatz hatte für die überregionalen Spiele nicht die erforderliche Größe, so dass man auf Spielplätze in der Nachbarschaft ausweichen musste. Doch die Aufgabe lag auf dem Tisch: Der Platz musste vergrößert werden, und erneut schritt man mutig und entschlossen zur Tat. Dank einer soliden Vereins- und Haushaltsführung war man in der Lage, angrenzende Grundstücke zu erwerben. Zügig wurde das Spielgelände vergrößert, eine Stufenböschung für die Zuschauer angelegt, neue Tore und Ballfänge erstellt. Wiederum, wie damals in den 30er-Jahren, waren unzählige freiwillige Arbeitsstunden aller Spieler sowie vieler Vereinsmitglieder und Helfer die Gewähr dafür, dass schon bald auf dem nunmehr vergrößerten und „norm-gerechten“ Platz der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Nicht zu vergessen: Im Zuge der Neuanlage wurde der Sportplatz rundum bepflanzt, was ihm schließlich den Namen „Pappelstadion“ eingebracht hat.

Noch eine kleine Episode: Zur Finanzierung der vorerwähnten Erweiterung/Neuanlage des Sportplatzes war eine, wenn auch geringe, Verschuldung notwendig. Das Bestreben des Vorstandes war, diese so schnell wie möglich abzutragen. Also war „eisernes Sparen“ angesagt. Seitens der Spieler gab es keinerlei Begehrlichkeiten, denn Dress und Schuhe stellte jeder selbst. Hinzu kamen bei Auswärtsspielen die Fahrtkosten für die mitreisenden Ehefrauen und Freundinnen. Ich erinnere mich, dass wir 1953 zu einem Spiel um den Westdeutschen Handballpokal nach Mülheim (Ruhr) gefahren sind. Abfahrt: 6:00 Uhr, Anwurf: 11:00 Uhr. Zuschauer: 12.000. Von den Spieleinnahmen erhielten wir 40 %‚ was immerhin die stolze Summe von 8.000,00 D-Mark ausmachte. Als Spielführer bat ich den Vorstand für die Spieler um ein Mittagessen. Die Antwort: „Ist nicht drin! Denkt an die Kosten für die zugekauften Grundstücke!“ Schließlich gab es dann doch eine „kalte Platte“ zu je 3,00 D-Mark.

 

Ich weiß: Die Zeiten haben sich geändert, und ich erwähne diese Episode auch nicht um des Lobes willen. Wohl aber scheint mir der Hinweis wichtig, dass eine verantwortungsbewusste Vereinsführung stets auf eine solide finanzielle Grundlage achten muss, ohne die auf Dauer eine erfolgreiche Vereins- und Jugendarbeit nicht möglich ist. Deshalb will ich auch meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass, nachdem der Feldhandball vom Hallenhandballspiel abgelöst und die zwischenzeitliche Nutzung durch die Fußballer ebenfalls beendet worden war, der nun möglich und nötig gewordene Verkauf des Sportplatzes vom Vorstand des Vereins genutzt wurde, den Verkaufserlös in einer Vereinsstiftung anzulegen. Aus deren Erträgnissen kann nun die Jugendarbeit „meines“ Vereins „Grün-Weiß Obermendig“ dauerhaft gefördert werden.

 

 

Teil II

 

Das dem Sportverein gehörende und an die Pellenzstraße angrenzende Gelände hatte eine Größe von rd. 20.000 m². Es lag nahe, es zu einem Wohnbaugebiet zu entwickeln, was den Intentionen der Stadt Mendig in zweifacher Hinsicht entgegen kam: Einmal aus städtebaulicher Sicht, da die gegenüberliegende Seite in südlicher Richtung bereits bebaut war, zudem war die Nachfrage nach Baugelände groß. Die Stadt stellte einen Bebauungsplan auf und der Sportverein suchte einen Käufer, den sie auch rasch fand. Der Kaufvertrag wurde im Jahr 2002 abgeschlossen, der Verkaufspreis betrug 807.000 Euro. Für den damaligen Vorstand des Vereins mit seinem Vorsitzenden Egon Meid stand seit Beginn der ersten Verkaufsüberlegungen außer Frage, den Kaufpreis wertbeständig anzulegen.

 

So kam es am 15.11.2002 zur Errichtung der ‚TuS Grün-Weiß Mendig-Stiftung“, die eine gemeinnützige und rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts ist. Die Anerkennung durch die „Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion“ in Trier als Stiftungsaufsicht datiert vom 12.02.2003. Die Stiftung verfolgt lt. Errichtungsbeschluss das Ziel, „die Sport- und Jugendarbeit im Stadtteil Obermendig der Stadt Mendig, dabei wiederum vorrangig die sportlichen Aktivitäten sämtlicher Abteilungen des Turn- und Sportvereins Grün-Weiß Mendig e.V. zu ermöglichen, zu unterstützen und zu fördern.“ Zu diesem Zweck wurde die Stiftung mit einem Vermögen von 800.000,00 Euro ausgestattet.

 

In den rd. 13 Jahren ihres Bestehens ist die Stiftung ihrer satzungsgemäßen Zweckbestimmung und Aufgabe stets gerecht geworden. Bisher konnten aus den Geldanlagen, die übrigens ausnahmslos bei den einheimischen Kreditinstituten erfolgten, 257.000,00 Euro für die Vereinsarbeit ausgeschüttet werden. Darüber hinaus hat die Stiftung die Beteiligung von „Grün-Weiß“ an dem neuen und gemeinsam mit dem „SV Eintracht 1888 e.V.“ betriebenen Sportplatz an der Brauerstraße mit 117.500,00 Euro (darlehensweise) finanziert. Schließlich und nicht zuletzt wurde im Interesse der Werterhaltung des Stiftungsvermögens der sog. Kapitalerhaltungsrücklage der Betrag von 85.000,00 Euro zugeführt. So sollte auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die finanzielle Grundlage für eine lebendige Jugendarbeit gesichert sein.

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